Telekom und die VoIP-Umstellung

Eigentlich könnte es mir egal sein, das mit der Umstellung meine ich. Warum? Ich habe vor Jahren bereits umgesattelt auf einen VoIP-Anschluss eines Mitbewerbers gesetzt.

Leider erreichen mich immer mehr Hilferufe von Freunden und Bekannten, bei den die Umstellung auf VoIP (Thema: All-IP Zwangsumstellung) Probleme bereitet. Das ist der Punkt an dem ich ins Spiel komme und ich kann oftmals nur noch den Kopf schütteln. Da ich aber bereits Nackenschmerzen bekomme vom vielen Kopf schütteln, befreie ich mich und schreibe diesen Beitrag. Ich muss aber auch zugeben, ich habe keine Anrufe erhalten, bei denen die Umstellung funktionierte, warum auch.

Die Technik

Ohne jetzt zu tief in die Materie einzutauchen, die Technik funktioniert und wird mit Sicherheit noch besser werden. Auch die Geräte funktionieren und auch diese werden noch besser werden. Meiner Meinung nach, ist aber diese noch nicht so ausgereift und robust wie ein ISDN-Anschluss.

Ich glaube auch, dass viele damit kein Problem hätten, wären sie richtig aufgeklärt worden.

Ein Beispiel

Eine kleine Praxis, mit einigen Arbeitsplätzen, ISDN-Telefonanlage und ein Multifunktionsgerät inklusive Fax. Die Praxis erhält ein Angebot für einen schnelleren Internet-Zugang, weil eine 2.000 Leitung ist ja nicht mehr zeitgemäß. Das Angebot schaut toll aus und ist auch noch günstiger als das vorherige Paket – super! Der Berater Verkäufer (sorry, Berater lass ich hier nicht gelten) vergisst darauf hinzuweisen, das gleichzeitig auf VoIP umgestellt wird, aber das steht ja schließlich im Angebot (*Hust*kein Kommentar*). Unschön, aber damit kann man noch leben.

Womit ich persönlich nicht klar komme ist die Tatsache, dass auch vergessen wurde den Kunden aufzuklären, dass er seine ISDN-Telefonanlage jetzt nicht mehr direkt betreiben kann und er schon einen Tag kein Telefon und Fax mehr empfangen kann. Aber zum Glück wird ja schnell geholfen und einen neuen Router angeboten, den vergünstigt im Telekom-Shop erworben oder gemietet werden kann. Wenn sich aber danach herausstellt, dass der Router auch kein ISDN-Anschluss hat und das Telefon und Fax immer noch nicht funktioniert wird es ärgerlich. Aber warum soll man sich den Sorgen machen, es gibt ja auch noch einen tollen Adapter für knapp 60 € den man an den Router anschließen kann oder man kauft sich das teurere Modell des Routers, da ist ein ISDN-Anschluss eingebaut…. AHHHH, da werde ich sauer, wenn ich so etwas höre.

Genug Dampf abgelassen, gehen wir über zu den Dingen, die man beachten sollte!

Wissenswertes zum VoIP-Anschluss

Es werden viele Vorteile gegenüber den herkömmlichen Anschlüssen beworben. Was ich hier schade finde ist, dass die andere Seite aber ausgeblendet wird. Wir lesen positive Dinge wie z.B.:

  • zukunftssicher
  • mehr Funktionen
  • einfache Konfiguration über das Internet
  • keinen Splitter und keinen NTBA mehr notwendig
  • HD-Voice und somit bessere Sprachqualität
  • Sprachbox

Aber was steckt dahinter und was könnten Nachteile sein.

VoIP ist zweifelsfrei zukunftssicher – davon bin ich überzeugt. Es ist auch korrekt, dass man mehr Funktionen nutzen kann, bezweifle aber, dass diese aktuell wirklich genutzt werden. Die Einstellungen der Rufnummern sind über das Internet möglich – finde ich persönlich klasse, aber meine Mutter wird das nie nutzen. Hier sollte man aber zumindest einmal drüber schauen, ob man wirklich alles möchte oder etwas deaktivieren.

Screenshot Telefoniecenter der Telekom
Screenshot Telefoniecenter der Telekom

Keinen Splitter und keinen NTBA ist erstmal ein Vorteil, wenn man die Verkabelung betrachtet. Keine wirren Verkabelungen und letztendlich weniger Geräte die ausfallen können – übrigens habe ich selten einen NTBA oder Splitter gesehen die kaputt gegangen ist. Der Nachteil ist aber – ich habe keinen ISDN-Anschluss mehr und muss mich umgewöhnen. Wenn der Internet-Anschluss nicht funktioniert – und das kommt häufiger vor, wir ein Ausfall des herkömmlichen Telefons -, dann kann nicht mehr telefonieren werden. Dies schließt auch Notrufe ein – Handy schafft hier Abhilfe. Gespräche können auch mal unterbrochen werden, weil die Verbindung gestört ist oder der Router sich aufgehängt hat. Die herkömmlichen Telefonanschlüsse sind hier einfach unempfindlicher.

Viel umworben ist die bessere Sprachqualität. Dies gilt aber nur dann, wenn alle Geräte die an dem Gespräch beteiligt sind HD-Audio (Codec G.722) unterstützen. Also alle beteiligten Telefone, Router, Firewalls und Vermittlungsstellen bei den Providern. Ich glaube es scheitert bereits schon an den heimischen Telefonen, die diesen Codec nicht unterstützen.

Was muss ich zu beachten, dass die Umstellung problemloser funktioniert?

Wenn Sie eine ISDN-Telefonanlage/Geräte besitzen und diese weiter betreiben wollen, achten Sie darauf den Richtigen Router einzusetzen. Bei der Telekom werden u.A. folgende angeboten

  • wenn man kein(e) ISDN-Geräte einsetzt
    • Speedport w724v
  • mit ISDN-Geräte
    • Speedport w921v oder
    • Speedport w724v mit ISDN Speedport Adapter

 

Man sollte sich die Frage stellen, ob es noch Geräte im Haushalt/Firmenumfeld gibt, die Analoge-Anschlüsse oder ISDN-Funktionen benötigen, wie z.B.

  • Hausnotruf
  • Alarmanlagen
  • Faxgeräte
  • Remote-Wartungssysteme

Im Notfall die Hersteller der Geräte anfragen

 

Im Vergleich zu ISDN werden dauert der Rufaufbau länger. Das liegt daran, dass die komplette Telefonnummer in einem Stück übertragen wird und nicht einzeln wie bei ISDN. Um dies zu verkürzen, kann man am Ende der Rufnummer eine Raute (#) setzen. Damit wird das Ende der Rufnummer angezeigt und ohne eine Wartezeit die Anwahl eingeleitet. Die Wartezeit hat aber auch zur Folge, dass manche Faxgeräte nicht mehr versenden können. Auch hier gibt es Abhilfe. Die Faxgeräte die ich im Zugriff hatte, haben oftmals nach 20 Sekunden aufgelegt, weil die Gegenstelle angeblich nicht geantwortet hat. Im Prinzip korrekt, liegt aber daran dass der Provider es innerhalb der 20 Sekunden nicht geschafft hat, die Verbindung herzustellen. Hier der Tipp -> In den Einstellung des Faxgerätes die Wartezeit erhöhen. Ich persönlich konnte bei Erhöhung auf 40 Sekunden keine Probleme mehr feststellen.

Wenn Sie bereits ein eigenes Netzwerk haben und der Router wird ausgetauscht, müssen Ihre Geräte neu verbunden/ggf. eingerichtet werden. Tipp -> Es ist auch nicht die schlechteste Idee, die Chance zu nutzen und das W-LAN Kennwort zu ändern.

Jeder sollte sich beim Abschluss die Frage stellen, kaufe ich das/die Geräte oder miete ich diese. Meiner Kenntnis nach kostet die Miete pro Monat etwas weniger als 5€ und der Speedport w724v bezuschusst um die 80€. Bei der Miete erhält man ggf. ein Ersatzgerät bei Kauf nicht, hat aber eine Garantie und Gewährleistungsanspruch. Im Übrigen, es gibt auch andere Hersteller.

Ein Tipp für die Anbieter: Klärt eure Kunden richtig auf und lasst sie nicht im Regen stehen.

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